"Das Brautkleid"

Fotoerzählung über Leben und Tod einer Kaiserin

Lassen wir uns fallen und folgen wir der abstrakten Reise des gerührten und aufmerksamen Auges eines Künstlers, der aus innerem Antrieb mit großer Empfindlichkeit die mythische Figur der Kaiserin Elisabeth von Österreich - Frau Kaiser Franz Josephs - wieder aufsuchte.
Inspiriert durch das Tagebuch von Christomanos Constantin - Elisabeths Lehrer für Griechisch - und durch Biographien über Elisabeth führt uns Umberto Cornale um den Kreis einer kurzen und mit Vorbedeutungen beladenen Existenz herum, eines einsamen und strittigen Lebens, das in der Künstlereinhildung nie völlig abgeschlossen ist.
In einer Sequenz von Darstellungen spielt das Kleid auf der Lehensbühne alle Rollen als Symbol einer wandelbaren, vielfältigen, aber untrennbaren Identität. Ein Kleid als Selbstbild, das als eines von vielen zu den vielen Anlässen eines Lebens getragen wird und das geliebt, erlitten, abgelehnt, bewundert wurde, aber nur der Spiegel einer wahren Existenz bleibt, einer heftigen und empfundenen Existenz, die sich hier Auge in Auge mit dem Mythos findet.
Der Betrachter sucht in der Sequenz die Welt von Elisabeth ab, er kann alles von innen und außen in dem zärtlich und ironisch dargestellten Bild der "engelhaften Sisi" sehen, so wie auch in der einsamen Möwe ohne Heimat und Freunde, die ein sehr geliebtes Selbstbild für die Prinzessin immer gewesen war, Symbol der Freiheit und gleichzeitig schwarze Möwe in ihrer Einbildlung, dunklere Voraussage eines Todesschicksals.
Traum und Abstraktion sind eigentlich die Räume von Elisabeths Lebensweise, sowohl oben auf einem der von ihr geliebten Alpengipfeln als auch vor der breiten und gleichfalls geliebten See: In diesen Geistesräumen zeichnet sich die Beschwörung des Todes ab und erscheint das Kleid dadurch als Hauptfigur.
So wertvoll scheint auch die Waffe zu sein, die den Tod verschenkt und den schweren Traum in Lebensblicke - "offizielle" Bilder und andere, "gestohlene", innere Porträts - verteilt. Aus der Arntlichkeit ihres Lebens lohnt es sich, an die zahlreichen Besuche in Irrenanstalten zu erinnern, denen ihre besondere Aufmerksamkeit gewidmet war und die hier durch das Wiederspiegelungs- und Identifikationsverfahren des Kleides dargestellt werden.
Wahnsinn ist hier nicht nur ein Ereignis, es ist ein Thema-Symbol in seiner "gegenseitigen" Bedeutung, wo Vernunft und Wahnsinn ihre Stelle vertauschen, so wie die Kaiserin selbst meinte.
Das Beobachten fährt uns mit helldunklen Kontrasten an und läßt das Spiel unter Realität, Traum und Phantasie vor unseren Augen ablaufen, während zerreißende Wortpaare wie Glücklichkeit, Traurigkeit, Einsamkeit in der Gesellschaft, Freiheit und Gefangenschaft das Spiel begleiten.
Die unerfüllte Harmonie bringt heftige Reaktionen hervor, sie weist Liebe als Wert zurück, treibt zur Verherrlichung der Schönheit als einzige Kraftquelle, und daraus endlich erscheint der griechische Mythos des Helden Achilles als Rettungshoffnung. Dem Helden Achilles, diesem Symbol von absoluter Unabhängigkeit, von beharrlichem Willen und harmonischer Schönheit, widmete Elisabeth sogar einen Palast.
Diese Mythenphantasie scheint sich aber gerade umgekehrt zu verwirklichen und am Ende in das Reich der Unmöglichkeit, der Leere zu münden, wo solche Qualen entstehen, die das Gleichgewicht der eigenen Identiät verwirren und unkontrollierte Kräfte losbinden.
Jene königliche "Wespentaille" ruft sinnlose Zwangsvorstellungen von Magerkeit zurück, während Brautschleier und Trauerflor sich in unserem geschichtlichen Gedächtnis verknüpfen und die Ahnung des Encles noch schärfer machen.
Als Ersatz für die ironische Logik des Schicksals will das fotografische Auge dennoch eine Phantasiecinterreclung zwischen Elisabeth als Mythos und Elisabeth als Wirklichkeit, zwischen dem Kleid mit tausend Wertigkeiten und der Pracht des Königtums einführen.
Es ist aber nur in der Dimension der Einsamkeit und des Nachdenkens, daß dieses Treffen stattfindet, und zwar in einer Einsamkeit, die den Geist zur Annahme eines tragischen Schicksals treibt und einen einfachen "Abgang" rechtferrigt.

Die Ausstellung ist in 13
Abschnitte gegliedert und
umfaßt insgesamt 136 Bilder.

Ausstellungsort:
Schloßtheater Laxenburg -
Kontrollorgang
Zugang Konferenzzentrum -
Parkhaupteingang

Vernissage:
Donnerstag, 3. Septeinher 1998,
18 Uhr (gesonderte Einladung)

Öffnungszeiten:
Freitag, 4., bis Sonntag,
27. September 1998
jeweils Samstag und Sonntag
9 bis 12 Uhr und 13 bis 18 Uhr
oder nach Vereinbarung.

Eintritt: öS 25,-